Bedienungen
Mai 13th, 2012 Posted in Allgemeines, Dublin, Freiburg | no comment »Vor einigen Jahren habe ich selbst als Bedienung gearbeitet. Im Queen of Tarts, einem der besten, frischesten und leckersten Cafes Dublins, wenn nicht gar Irlands — ich darf das sagen. Die beiden Chefinnen legten immer viel Wert (stark untertrieben) auf schnelles, freundliches, zuvorkommendes Arbeiten und ein surplus an Service. Die Messlatte lag ziemlich hoch.
In diesem Geist bin ich (zumindest in der Cafehausbranche) herangewachsen. Soviel zur Vorgeschichte.
Von hiesigen, sagen wir mal Freiburger Bedienungen erwarte ich eigentlich nicht viel. Vielleicht nur den Durchschnitt dessen, was man eben als durchschnittlich verwöhnter Gast so erwartet. Ein wenig Aufmerksamkeit vielleicht. Oder beachtet werden, gefragt werden, Wünsche erfüllt bekommen. Das Übliche.
In den letzten Wochen merke ich, wie es einigen Bedienungen schwer fällt, selbst diesen Basisanforderungen gerecht zu werden.
Bei unserer heutigen Sonntagswanderung zur Zähringer Burg, wo wir im dortigen Cafe/Restaurant einkehrten, konnten wir so ein Exemplar beim Arbeiten beobachten. Nachdem wir schon zehn Minuten an einem freien, aber eingesauten und noch nicht abgeräumten Tisch gesessen waren, ging Herr Freund (“ohne Betäubungsgewehr ist es hier wirklich schwer, eine Bedienung zu erwischen…”) auf sich aufmerksam machen und besorgte uns ein Pärchen Speisekarten. Besagte Bedienung kam irgendwann auch und räumte in Zeitlupe unseren Tisch ab. Leider hatte sie kein Hallo für uns übrig. Schade eigentlich. Denn da fühle ich mich immer gleich so gebauchpinselt. Liebgehabt. Oder einfach: willkommen. Bevor sie wortlos ging, bat ich sie, doch bitte mit einem nassen Lappen wiederzukommen… Sie können sich denken, wie unser Aufenthalt im Café weiter ging. Das Essen war trotzdem ziemlich lecker.
Ähnlich erging es uns am Maifeiertag in Busses Waldschänke. Gleich vorneweg: das Essen war (bis auf meines (“Feuriges Curry-Tofu auf Vollreisbett”), das zu scharf und dabei doch zu wenig gewürzt war) eine Köstlichkeit. Eine raffiniert gewürzte Delikatesse nach der anderen. Auch die Getränke (wir hatten uns zum Essen passende Weine, bzw. selbst hergestellte Holunder-Getränke kommen lassen) waren nahezu perfekt.
Von der Bedienfront her gesehen, war der Abend eine Enttäuschung. Obwohl wir reserviert hatten, war keiner auf uns vorbereitet, die Damen mit den Schürzen, Dank einer Geburtstagsfeier im Nebenraum, völlig überlastet. Wir warteten erstmal eine knappe Viertel Stunde bis wir Karten bekamen. Es verging jedes Mal eine gefühlte Ewigkeit, bis eine der Frauen zurück an unseren Tisch kam, um Bestellungen aufzunehmen. Kurz: wir fühlten uns wirklich vernachlässigt. Ungeliebt
.
Um unsere hungrige Tochter davon abzuhalten, das Tischtuch anzunagen, fragten wir nach einer halben Stunde vorsichtig nach einer Scheibe Brot für sie.
Nun ja, das alles war nichts zum Vorzeigen, keine Glanzleistung, nichts, worauf Busses Waldschänke stolz sein könnte. Trotz des guten Essens. Wir werden dem Restaurant noch eine Chance geben, allein schon wegen der tollen und frischen vegetarischen, bzw. veganen Menüs. Beim nächsten Mal erwarte ich jedoch wieder einen Service, der sich an den Preisen der Waldschänke messen lassen kann.
Wenn doch nur alle Bedienungen so aufmerksam, zuvorkommend und freundlich wären (eigentlich drei Attribute, die so völlig “ausgetreten”, beinahe selbstverständlich klingen) wie die im Queen of Tarts. Ich würde mir die kleine Auszeit in Café oder Bistro weit öfter gönnen.
Und ich denke, dass dies nicht nur für mich gilt.
